Autotopia, Vertical Header

Vortrag Zwischen sozial­ökologischem Kollaps, Zombie­kapitalismus und Über­gängen zur 'Gesel­lschaft der befreiten Zeit'? Auto­matisier­ung und Digital­isierung als Faktoren globaler Krisen­eskalationen und Möglich­keits­beding­ungen post­kapitalist­ischer Ver­gesell­schaft­ung.

Talk On socio­ecologic collapse, zombie-capitalism and transitions towards a society of liberated lifetime. Auto­mation and digital­ization as factors of global crisis economy and pre­requisites for social appropriation in post-capitalistic societies.

04.05. 19:00

Technische Sammlungen - Projektwerkstatt

Tino Heim

Das Kapitalverhältnis untergräbt dank eskalierender Widersprüche seine sozialen, ökonomischen und ökologischen Bestandsbedingungen. Es schafft zugleich produktions- und kommunikationstechnologische Möglichkeitsbedingungen für andere Formen der Vergesellschaftung. Das ist seit Marx oft genug logisch konzise deduziert worden und scheint angesichts beschleunigter Überflüssigmachung menschlicher Arbeit und eskalierender sozial-ökologischer Krisendynamiken inzwischen auch empirisch hinreichend unterlegt (zumindest für den ersten Teil der Prognose). Selbst die OECD kommt diesbezüglich heute zu Einschätzungen, die noch vor wenigen Jahren als ‚apokalyptische Prophetie‘ verspottet worden wären.

Leider tun gesellschaftliche Verhältnisse und Logiken uns aber nicht den Gefallen, wirklich zu kollabieren, wenn ihre historische Zeit abgelaufen ist. Der ‚logische Kollaps‘ des Kapitalverhältnisses hat bislang nicht den Übergang in eine ‚Gesellschaft der befreiten Zeit‘ eingeleitet, in der Menschen die technologischen Möglichkeiten für eine bewusste und nachhaltige Gestaltung ihre wechselseitigen Beziehungen und ihre Naturverhältnisse jenseits der Zwänge von Kapitalakkumulation und Lohnarbeit sinnvoll nutzen könnten. Stattdessen erleben wir verschiedene Formen eines ‚Zombiekapitalismus‘: Durch staatliche Gewalt abgesicherte Konstrukte der Umverteilung nach Oben, der Über- und Umschuldung und der beschleunigten Güter- und Ressourcenvernichtung (geplante Obsoleszenz, Kriege, Abwrack-Prämien) erhalten dabei eine überlebte gesellschaftliche Logik bis zum endgültigen sozialökologischen Kollaps aufrecht. Vor allem natürlich, um Menschen ‚in Arbeit zu bringen‘ (bzw. wo sie nicht wollen, zu zwingen) und sei es nur in primär der Lebenszeitvernichtung dienenden Bulshitjobs.

Der Vortrag stellt ausgehend von einer Einordung jüngster Entwicklungsschübe der Automatisierung und Digitalisierung in die Logiken kapitalistischer Vergesellschaftung die Frage, warum all dies sich derzeit so darstellt und welchen gesellschaftlichen Voraussetzungen- und Bedingungen erfüllt sein müssten, um die prinzipielle Möglichkeiten zur Koordination globaler Produktions- und Austauschbeziehungen jenseits der kapitalistischen Formen (Wertverwertung, Warenwirtschaft, Lohnarbeit) auch gesellschaftlich nutzen zu können.

Das Kapitalverhältnis untergräbt dank eskalierender Widersprüche seine sozialen, ökonomischen und ökologischen Bestandsbedingungen. Es schafft zugleich produktions- und kommunikationstechnologische Möglichkeitsbedingungen für andere Formen der Vergesellschaftung. Das ist seit Marx oft genug logisch konzise deduziert worden und scheint angesichts beschleunigter Überflüssigmachung menschlicher Arbeit und eskalierender sozial-ökologischer Krisendynamiken inzwischen auch empirisch hinreichend unterlegt (zumindest für den ersten Teil der Prognose). Selbst die OECD kommt diesbezüglich heute zu Einschätzungen, die noch vor wenigen Jahren als ‚apokalyptische Prophetie‘ verspottet worden wären.

Leider tun gesellschaftliche Verhältnisse und Logiken uns aber nicht den Gefallen, wirklich zu kollabieren, wenn ihre historische Zeit abgelaufen ist. Der ‚logische Kollaps‘ des Kapitalverhältnisses hat bislang nicht den Übergang in eine ‚Gesellschaft der befreiten Zeit‘ eingeleitet, in der Menschen die technologischen Möglichkeiten für eine bewusste und nachhaltige Gestaltung ihre wechselseitigen Beziehungen und ihre Naturverhältnisse jenseits der Zwänge von Kapitalakkumulation und Lohnarbeit sinnvoll nutzen könnten. Stattdessen erleben wir verschiedene Formen eines ‚Zombiekapitalismus‘: Durch staatliche Gewalt abgesicherte Konstrukte der Umverteilung nach Oben, der Über- und Umschuldung und der beschleunigten Güter- und Ressourcenvernichtung (geplante Obsoleszenz, Kriege, Abwrack-Prämien) erhalten dabei eine überlebte gesellschaftliche Logik bis zum endgültigen sozialökologischen Kollaps aufrecht. Vor allem natürlich, um Menschen ‚in Arbeit zu bringen‘ (bzw. wo sie nicht wollen, zu zwingen) und sei es nur in primär der Lebenszeitvernichtung dienenden Bulshitjobs.

Der Vortrag stellt ausgehend von einer Einordung jüngster Entwicklungsschübe der Automatisierung und Digitalisierung in die Logiken kapitalistischer Vergesellschaftung die Frage, warum all dies sich derzeit so darstellt und welchen gesellschaftlichen Voraussetzungen- und Bedingungen erfüllt sein müssten, um die prinzipielle Möglichkeiten zur Koordination globaler Produktions- und Austauschbeziehungen jenseits der kapitalistischen Formen (Wertverwertung, Warenwirtschaft, Lohnarbeit) auch gesellschaftlich nutzen zu können.

meta

wiki | pad

email: autotopia@c3d2.de

pgp: public keyöffentlicher Schlüssel | AA02 D6BC 2B6B 5264 E952 145C 54F8 77CE CBC2 D22E

mastodon: #AutotopiaDD via @autotopia

twitter: #AutotopiaDD via @AutotopiaDD

events

veranstaltungen

hole of fame Kurzfilmabend wired societies / auto­matisierte RäumeShortfilms wired societies/auto­matisierte Räume by von Autotopia
SLUB Makerspace M2 Inter­aktiver Work­shop Krit­ische Maker-KulturInter­active work­shop Critical making with the com­munity by von Regina M. Sipos
hole of fame Kurz­film­abend col­lateral pleasure/kos­met­ische Kriegs­führungShort­films col­lateral pleasure/kos­metische Kriegs­führung by von Autotopia
Technische Sammlungen - Projektwerkstatt Vortrag Die Krise als historischer Prozess inner­kapitalistischer Wider­spruchs­entfaltungTalk Crisis as a historical process of unfolding capital­istic contra­dictions by von Tomasz Konicz
Technische Sammlungen - Projektwerkstatt Vortrag Zwischen sozial­ökologischem Kollaps, Zombie­kapitalismus und Über­gängen zur 'Gesel­lschaft der befreiten Zeit'? Auto­matisier­ung und Digital­isierung als Faktoren globaler Krisen­eskalationen und Möglich­keits­beding­ungen post­kapitalist­ischer Ver­gesell­schaft­ung.Talk On socio­ecologic collapse, zombie-capitalism and transitions towards a society of liberated lifetime. Auto­mation and digital­ization as factors of global crisis economy and pre­requisites for social appropriation in post-capitalistic societies. by von Tino Heim
Technische Sammlungen - Projektwerkstatt Panel / Fishbowl-Diskussion zu Sozio-ökonomische Kon­sequenzen und Hand­lungs­möglich­keiten des Auto­matisierungs­zeitaltersPanel / Fishbowl discussion on Socio-economic con­sequences and agency in the age of auto­mation by von Tomasz Konicz, Tino Heim
c3d2 Lightningtalks Beispiele und Visionen eines selbst­bestimmten Umgangs mit Technologie und Auto­matisier­ungs-Werk­zeugenLightningtalks Examples and visions for a self-determined use of technology by von ?
malobeo Film­abend Das Micro­soft Di­lemmaMovie Das Micro­soft Di­lemma by von Autotopia
Frauen*­Bildungszentrum Vortrag / Diskussion zu präventiver Polizei­arbeitTalk / discussion on predictive policing by von Ulrike Heitmüller
Frauen*­Bildungszentrum Lese- und Diskus­sions­abendBook reading and discussion by von Autotopia
Projekttheater Vortrag / Diskussion Kampf­roboter: Der Königsweg demo­kratischer Kriegs­führung?Talk / DiscussionKiller robots: The silver bullet of democratic warfare by von Henning Lübbecke
Projekttheater Vortrag / Diskussion zu Digitale vs. zeit­gemäße Bildung: die Ent­deckung der TechnikTalk / Discussion on Digital vs. appropriate edu­cation: discovery of tech­nology by von Maximilian Voigt